Das Gesicht von tesa


Elsa Tesmer mit Ehemann

Elsa Tesmer mit Ehemann

In Deutschland, seiner Heimat, hat tesa® eine Markenbekanntheit von 98 Prozent. Sogar im Wörterbuch "Duden" ist tesa® – als allgemein bekannte Marke für Klebefilm – zu finden. Nahezu unbekannt blieb jedoch die Geschichte der Namensgeberin Elsa Tesmer. Nun tauchte erstmals ein Foto von ihr auf – das Resultat akribischer "Detektivarbeit".

Eingerahmt von einer alten Eibe auf der linken und einer Kiefer auf der rechten Seite steht er im Planquadrat AA 6 und trägt die Nummer 115/116: ein schwarzer Granitstein mit goldener Inschrift. Von besonderem Interesse sind zwei Daten: 23.9.1887 und 30.9.1968. Dazu ein Name: Elsa Karlau, geb. Tesmer. Das Rätsel ist gelöst: Elsa Tesmer, nach deren Silben Te- und -sa vor rund 100 Jahren der Name tesa gebildet und ins Warenregister eingetragen worden war, liegt auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf begraben.

Sie verstarb 1968 im Alter von 81 Jahren. Die Ruhestätte zu finden, gestaltete sich indes wie die berühmte Suche nach der "Stecknadel im Heuhaufen", schließlich wurden auf dem weltweit größten Parkfriedhof seit seiner Eröffnung 1877 rund 1,4 Millionen Beisetzungen durchgeführt.

273.000 Grabstätten sind derzeit noch belegt. "Einzelgräber bestehen normalerweise 25 Jahre. Das Grab der Familie Karlau existiert seit 1910", erklärt Lutz Rehkopf. Der Pressesprecher Hamburger Friedhöfe half kräftig mit, der heute in Deutschland berühmten und in vielen Ländern bekannten Marke tesa® ein "Gesicht" zu geben.

"Es ist erstaunlich, dass wir im Archiv viele Dokumente über die Gründerväter von Beiersdorf, aber keine über die „Mutter“ von tesa® haben", sagt Historiker Thorsten Finke.

Lediglich ein Brief liegt vor: 1960 bat Elsa Karlau um drei aufblasbare NIVEA-Bälle für ihre Enkel. Quasi im Nebensatz fragte die ältere Dame: "Wissen Sie, wie der Name tesa entstanden ist? Damals hatten wir in der Schreibstube den Auftrag, Namen zu bilden." Der Rest ist bekannt... Prompt antwortete das Unternehmen: "Mit der Erfüllung Ihrer Bitte senden wir Ihnen für Ihre drei Enkel je einen Handabroller mit dem Klebestreifen, der Ihren Namen trägt."

Nachdem die Recherchen, unter anderem in Telefonbüchern und bei Ämtern nichts ergeben hatten, halfen der Zufall und ein bestens sortierter Computer in der Ohlsdorfer Friedhofsverwaltung. Lutz Rehkopf stellte schließlich den Kontakt zu Ulla Schley her.

Die 61-jährige Enkelin Elsa Karlaus zog 1990 mit ihrem Mann nach München. Zahlreiche Details konnte sie über den Lebensweg ihrer Großmutter berichten, die von April 1903 bis Ende Oktober 1908 als Kontoristin bzw. Leiterin der Schreibstube tätig war.

"Dass sie 1908 ausgeschieden ist, war damals eine logische Konsequenz", weiß Ulla Schley. "In diesem Jahr hat meine Oma nämlich geheiratet und dann fünf Kinder zur Welt gebracht: Irma, Erich, die Zwillinge Heinz und Gerda sowie Wilhelm."

Ehemann Paul galt übrigens als wahrhaft "gute Partie"; er werkelte in leitender Funktion am Bau des Alten Hamburger Elbtunnels mit. 1958 feierten beide ihre Goldene Hochzeit. "Wir Enkel wussten genau, dass unsere Omi die berühmte „Frau tesa“ ist", berichtet Ulla Schley lächelnd. "Zur Erinnerung habe ich einen alten Abroller aus braunem Bakelit bis heute aufbewahrt."

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